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P R O T O K O L L
der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 12.05.2015

Vorsitzender: Jens Esser
Anwesend: 3 Mitglieder FG, 7 Mitglieder ORION (davon 1 x Doppelmitgliedschaft), 7 Gäste
Thema: - Kollektive Intelligenz u. kollektive Dummheit bei Tieren und Menschen Referent: Jens Krause


Jens Esser eröffnete den Abend und begrüßte den Referenten und die Anwesenden.

Der Referent arbeitet an der Humboldt-Universität auf dem Gebiet Schwarmintelligenz und untersucht deren Anwendung auf gesellschaftlich relevante Probleme.

Ein Großteil der Schwarmforschung hat seinen Ursprung im Insektenbereich, der Referent führt seine Experimente mit Wirbeltieren durch. Bei der Schwarmbildung gibt es drei Wirkregeln, die in Abhängigkeit von der Distanz zwischen den Individuen greifen. Dabei handelt sich um eine anziehende Wirkung, ein ausrichtende Wirkung und, um ein Kollidieren der Individuen zu verhindern, eine abstoßende Wirkung. Jedes einzelne Individuum reagiert dabei nur auf seine unmittelbaren Nachbarn.

Auf der Grundlage dieser Regeln wurde mittels Computermodelle das Schwarmverhalten nachgebildet, um u.a. das Räuber-Beute-Verhältnis und die dabei angewendeten Strategien zu verstehen.
Experimente wurden mit Fischen durchgeführt. Man hat dazu versucht eine Auswahl von Individuen für die Führungsrole in einem Schwarm zu trainieren. Da diese Methode keine großen Erfolge lieferte, ist man zu steuerbaren Fischmodellen sogenannten Robofischen übergegangen. Mit ihnen wurde gezielt die Schwarmintelligenz beim Auftreten von Störeinflüssen untersucht. Der Robofisch wurde so gesteuert, dass er sich entgegen dem natürlichen Schwarmverhalten von der Futterquelle entfernte.

Schwarmintelligenz wurde zur Vorhersage von Wahlen getestet, wobei gegenüber bekannten Schätzverfahren bessere Ergebnisse erzielt werden konnten.
Praktische Anwendung findet die Schwarmforschung beim Entwurf von Fußballstadien sowie der Strukturierung von Museen. In beiden Anwendungsfällen kommt es zu spontanen Menschendurchflüssen.
Seitens der Polizei bestand das Interesse, Gewaltausbrüche auf Demonstrationen zu modulieren.

Die weitere Zunahme der Bevölkerungsdichte in den Städten verbunden mit immer mehr Groß-Veranstaltungen wird dazu führen, das den Ergebnissen aus Schwarmforschung mehr Bedeutung beigemessen wird.

Der offizielle Teil des Abends endete gegen 20:00 Uhr. Der gesellige Teil fand in der nahe gelegenen Gastronomie statt.

Cortez Schulz (Schriftführer ORION)