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P R O T O K O L L
der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 13.10.2015

Vorsitzender: Thomas Ziska
Anwesend: 10 Mitglieder FG, 20 Mitglieder ORION (davon 1 x Doppelmitgliedschaft), 12 Gäste
Thema: Potenzielle Auswirkungen der Bekämpfungsaktionen gegen den Eichenprozessionsspinner auf andere Insektenarten.


Thomas Ziska begrüßte die Anwesenden, besonders den Vortragenden Jörg Gelbrecht. Es folgte die Verlesung des Protokolls vom 8.09. durch Uwe Heinig.

Dr. Jörg Gelbrecht begann seinen Vortrag mit Vorstellung der Gliederung u.a. Biologie des Eichenprozessionsspinners (EPS), Bekämpfung und deren Wirkung auf andere Schmetterlinge und Schlussfolgerungen zum EPS. Erläutert wurde die Stellung der Art im System der Schmetterlinge, die Gattung umfasst in Europa sechs Arten, von denen drei in Mitteleuropa bzw. zwei in Brandenburg vorkommen. Die Verbreitung der Art processionea in Europa wurde auf einer Karte gezeigt, es folgten Angaben zu den Nahrungspflanzen, verschiedenen Quercus-Arten, der Raupenzeit und der Flugzeit der Imagines. Die Art überwintert als Ei im Gespinst, wo im Folgejahr die Raupen schlüpfen. Gezeigt wurden verschiedene Raupenstadien in Gespinsten mit geschätzt bis zu 100.000 Raupen.

Die Populationsdynamik des EPS in den Zeiträumen 1760-1849 und 1850-1955 zeigte kaum Veränderungen. 1986-1999 konnte eine Konzentration der Vorkommen auf SW-Deutschland und Brandenburg festgestellt werden, ab 2000 eine starke Ausbreitung in S- und SW-Deutschland und Ostdeutschland. Der EPS gehört also schon seit jeher zur heimischen Fauna! Auch andere Schmetterlingsarten zeigten jetzt eine Massenvermehrung.

Die Hysterie in den Medien ist absolut unbegründet, vermischte mangels Kenntnis der Arten bei der Information der Öffentlichkeit diese untereinander. Beispiele aus Forst- und Gesundheitsämtern wurden aufgeführt. Trotzdem wurde durch die Ämter der großflächige Einsatz von Insektiziden, teils der „härteren Art“, wie der Vortragende betonte initiiert. Auch Wälder ohne EPS-Vorkommen waren davon betroffen. Ein besonders drastischer Fall der Vernichtung anderer Schmetterlingsarten, ausgelöst durch die Medien-Hysterie um Gespinste, ereignete sich in der Prignitz, wo Nester des streng geschützten Queckenspinners von Menschen zerstört wurden. Die Presse meldete die Sache als Erfolg gegen den EPS!

 366 Arten Schmetterlinge leben an Eiche, vom Insektizideinsatz sind also auch viele Arten der Roten Liste Kategorien 1 und 2 sowie der BArtSchV. Letztere bietet eine Grundlage für juristisches Vorgehen gegen die großräumigen Aktionen.

Schlussfolgerungen sind, dass die Begiftung kontraproduktiv zu den Bestrebungen zum Erhalt und zur Förderung der Biodiversität ist, sich negativ auf Wasserorganismen, Insekten u.a. aber auch auf Vögel und Fledermäuse auswirkt.

Wie gehen wir künftig mit solchen Tatsachen um? Die Presse-Infos sollten seriös aufklären, keine Panik schüren. Info-Tafeln an betroffenen Waldbereichen können aufklären, Beispiele wurden gezeigt. Der Schutz der Biodiversität muss Vorrang haben. Die Bekämpfung des EPS sollte generell nicht chemisch und nur im Umfeld menschlicher Siedlungen, dort mechanisch erfolgen. So werden andere Arten geschützt.

Zum Schluss dankte Dr. Gelbrecht den Mitwirkenden am Vortrag und wies auf Literatur zum Thema hin. Außerdem gab es einige Fragen, Ergänzungen und Diskussion von etwa 20 Minuten.


Der offizielle Teil des Abends endete gegen 20:20 Uhr. Der gesellige Teil fand in der nahe gelegenen Gastronomie statt.

Uwe Heinig (Schriftführer FG)