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P R O T O K O L L
der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 10.11.2015

Vorsitzender: Jens Esser
Anwesend: 9 Mitglieder FG, 13 Mitglieder ORION (davon 4 x Doppelmitgliedschaft), 7 Gäste

Thema: Übersicht über die Käfergattung Bolbelasmus aus der mediterranen Region.


Jens Esser begrüßte die Anwesenden, besonders den Vortragenden Oliver Hillert. Es folgte die Verlesung des Protokolls vom 13.10. durch Uwe Heinig.

Oliver Hillert begann seinen Vortrag mit der Einführung in die Familie Bolboceratidae, zeigte einen ersten Vertreter im Foto und betonte, dass die Arten oft am Licht gefangen werden können.

618 Arten in 45 Gattungen gibt es weltweit, diese sind nicht immer einfarbig braun oder schwarz, sondern manchmal auch mehrfarbig und oft besitzen sie bizarre, unterschiedlich geformte Hörnchen auf dem Kopf oder Halsschild. Letztere sind für die Unterscheidung der Arten von großer Bedeutung.

Fotos stellten diverse Arten aus verschiedenen Gattungen vor, die kleinsten 3-4 mm, die größten bis 3 cm groß. Sie stammten aus Nord- und Südamerika, Afrika, Australien u.a. Verbreitungsgebieten. Odontaeus armiger ist der einzige Vertreter der Familie, der bei uns vorkommt, im Mittelmeerraum gibt es neun Arten der Gattung Bolbelasmus, die Art unicornis ist bis Österreich verbreitet. Karten zeigten die Verbreitung dieser Arten.

Die Tiere sollen unterirdisch, manche Arten auch oberirdisch Pilze fressen, eine Tatsache, die bisher nicht sicher zu klären war, sich in der Literatur aber oft findet.

Es folgten taxonomische Bemerkungen zur Gruppe, u.a. der Hinweis auf Bolboceras schulzei, der 2014 beschrieben wurde. In den letzten Jahren forschte Oliver Hillert an Material aus Spanien, Nordafrika und Sizilien. Aus 65 Sammlungen wurden ca. 1.300 Exemplare untersucht. Im Ergebnis wurden drei Arten neu beschrieben. Detailfotos zeigten die Unterschiede dieser Arten im Habitus und Genital zu den bisher bekannten Arten, Karten stellten die Verbreitung der nunmehr bekannten Mittelmeer-Arten vor.

Weitere Fotos zeigten die Biotope der Tiere in Marokko, Spanien, Zypern und Tunesien, dazu wurden die Umstände des jeweiligen Nachweises genannt. Wichtig ist, dass es kurz zuvor geregnet hat, dann ist der Boden aufgeweicht, die Tiere können hervorkommen oder auch ausgegraben werden, was bei hartem, trockenem Boden nicht möglich ist.

Abschließend stellte der Vortragende kurz seine Sammelkollegen vor, berichtete vom Lagerleben und zeigte geeignete Grabwerkzeuge. Ein Kästchen mit Beispieltieren wurde herumgegeben.

Nach dem interessanten Vortrag folgten einige Fragen, u.a. zur Jahreszeit der Sammelreisen, zur Frage, woher die Erkenntnis kommt, dass es sich um Pilzfresser handelt und zur Larvenentwicklung.


Der offizielle Teil des Abends endete gegen 20:15 Uhr. Der gesellige Teil fand in der nahe gelegenen Gastronomie statt.

Uwe Heinig (Schriftführer FG)