Familie Polleniidae - Wurmfliegen

Die Vertreter der Polleniidae wurden 2019 als eigene kleine Familie aus den Calliphoridae (Schmeißfliegen) ausgegliedert. Sowohl nach Strukturmerkmalen als auch nach molekulargenetischen Merkmalen erwies sich die Gruppe als geschlossene Abstammungsgemeinschaft (Monophylum). Zu den Polleniidae gehören derzeit knapp 150 Arten, 95 davon bilden die Gattung Pollenia. Wurmfliegen sind weit verbreitet und fehlen nur im tropischen Amerika.
Die Imagines sind kleine bis mittelgroße Tiere (Pollenia 5-12 mm). Ihre Körpergrundfarbe variiert von gelb bis schwarz, mitunter tritt Metallglanz auf. In Pollenia und weiteren Gattungen finden sich auf dem Thorax zusätzlich zur Beborstung zahlreiche goldgelbe oder strohfarbene wellige Haare, die bei älteren Tieren aber weitgehend abgerieben sein können. Oft wirkt der Hinterleib durch Lichtreflexion an winzigen Schüppchen schachbrettartig gemustert, diese Muster verändern sich je nach Betrachtungswinkel.
In Deutschland kommen nur die Gattung Morinia mit einer Art und 15 Pollenia-Arten vor. Letztere sind am Foto kaum bestimmbar, da man zur Identifikation subtile Merkmale wie Behaarung der Adern auf der Flügelunterseite, Form des Mittelkiels im Gesicht, Färbung der hinteren thorakalen Atemöffnung u. a. benötigt. Am sichersten ist die Bestimmung nach Merkmalen des präparierten Genitals.
Während der Lebenszyklus der relativ schlanken, dunklen Morinia doronici noch unbekannt ist, ist die häufige Pollenia rudis wohl schon jedem begegnet, denn sowohl sie als auch ähnliche Arten dringen im Herbst oft in Massen in Gebäude ein, um auf dem Dachboden oder in anderen geeigneten Räumlichkeiten zu überwintern. Wird es wärmer, verlassen die Tiere das Haus wieder und gehören somit zu den ersten Fliegen, die man im Frühjahr antrifft. Sie ernähren sich überwiegend von Blütennektar. Die Larven von Pollenia rudis und vermutlich auch weiteren Vertretern der Gattung parasitieren Regenwürmer. Die Weibchen legen die Eier in die Erde ab, und die geschlüpften Larven suchen gezielt nach Wirtswürmern, in die sie sich einbohren. Sie sind auch in der Lage, zwischen mehreren Regenwürmern zu wechseln. Zur Verpuppung verlassen sie das sterbende Wirtstier.
FotoMorinia doronici
(Scopoli, 1763)
17542
FotoPollenia atramentaria
(Meigen, 1826)
17548
FotoPollenia rudis
(Fabricius, 1794)
17558

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