Familie Tabanidae - Bremsen

Mit Vertretern dieser großen Familie (weltweit fast 4500 Arten, in Deutschland knapp 60) hat wohl jeder schon einmal unangenehme Bekanntschaft gemacht. Es handelt sich um mittelgroße bis große, robuste Fliegen (5-30 mm) mit behaartem, aber borstenlosem Körper. Ihr großer Kopf ist von oben gesehen halbrund mit flachem bis konkavem Hinterkopf; er überragt seitlich den Thorax. Die großen Augen sind oft quergestreift oder bunt gemustert. Die der Männchen berühren sich, und die Facetten der oberen Hälfte sind häufig deutlich größer als die der unteren. Die Facetten der durch die mehr oder weniger breite Stirn voneinander getrennten weiblichen Augen sind von gleicher Größe. Den dreigliedrigen Fühlern fehlt eine Fühlerborste. Die Grundfärbung des Körpers variiert von gelb über braun zu schwarz, der Thorax kann gestreift sein, die Segmente des Hinterleibs können variable Streifen- und Fleckenmuster tragen. Männchen und Weibchen können sich farblich etwas unterscheiden. Die Flügel sind durchsichtig bzw. teilweise oder völlig verdunkelt, mitunter auch kleinflächig gemustert; sie haben eine familientypische Aderung.
Während sich die Männchen von Nektar und Pflanzensäften ernähren, benötigen die Weibchen der meisten Arten zusätzlich eine reichliche Blutmahlzeit, um Eier auszubilden. Sie suchen gezielt nach sich bewegenden, warmen, bevorzugt dunklen Körpern, welche Schweißgeruch ausströmen und Kohlendioxid ausatmen, und befallen somit überwiegend größere Säugetiere, aber auch den Menschen. Mit ihren stechend-schneidenden Mundwerkzeugen reißen sie Hautwunden, in die sie blutgerinnungshemmende Stoffe injizieren. Das austretende Blut wird dann aufgesogen. Da der Einstich sehr schmerzhaft ist, löst er Abwehrreaktionen des Wirts aus, so dass die Fliege mehrfach die Mahlzeit unterbrechen und eine erneute Stichmöglichkeit suchen muss. Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit der Übertragung von Krankheitserregern (Milzbrand, Tularämie, Infektiöse Anämie der Pferde u. a.). Daneben führt die ständige Beunruhigung der Wirtstiere zu Abmagerung und Leistungsverlust (bei Nutztieren z. B. Rückgang der Milchproduktion). - Die attackierten Körperbezirke sind unterschiedlich: Chrysops- und Haematopota-Arten befallen die Kopf- und Halsregion, Tabanus- und Hybomitra-Arten die Beine, Bauch und Flanken. Interessanterweise stellt die schwarz-weiße Fellstreifung der Zebras ein wirksames Abwehrmittel gegen Bremsenangriffe dar, den Fliegen wird offenbar die für eine kontrollierte Landung nötige Nahorientierung erschwert.
Verschiedene Tabaniden-Arten, vor allem in wärmeren Regionen beheimatete, zeichnen sich durch extrem lange Rüssel aus, die in beiden Geschlechtern zum Nektarsaugen dienen. Sie sind wichtige Bestäuber von Blüten mit langen Kronröhren, die wechselseitige Anpassung kann sehr eng sein.
Vor der Paarung bilden sich oft Männchenschwärme an erhöhten Punkten in der Landschaft („Gipfelbalz“). Die Weibchen legen die Eier in dichten Paketen in Gewässernähe ab. Die Larven entwickeln sich im Wasser oder im feuchten Boden, sie leben räuberisch von Insektenlarven und anderen Kleintieren, auch Kannibalismus tritt auf. Nach bis zu 13 Häutungen beenden sie ihren z. T. mehrjährigen Entwicklungszyklus mit der Verpuppung an einem trockeneren Ort.
FotoAtylotus fulvus
(Meigen, 1804)
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FotoAtylotus rusticus
(Linnaeus, 1767)
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FotoChrysops relictus
Meigen, 1820
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FotoChrysops viduatus
(Fabricius, 1794)
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FotoHaematopota pluvialis
(Linnaeus, 1758)
24430
FotoHybomitra bimaculata
(Macquart, 1826)
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FotoHybomitra montana
(Meigen, 1820)
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FotoPhilipomyia aprica
(Meigen, 1820)
24550
FotoTabanus autumnalis
Linnaeus, 1761
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FotoTabanus bovinus
Linnaeus, 1758
24570
FotoTabanus bromius
Linnaeus, 1758
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FotoTabanus maculicornis
Zetterstedt, 1842
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FotoTabanus sudeticus
Zeller, 1842
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